Herzlich, gemütlch, einfach: Meine kurdischen Freunde.
Ein Tag, der sich ständig selbst übertrumpfte. Die Strasse entlang des Ararats kletterte durch ein Lavafeld von 900m auf 1680m. Kurz vor dem Pass habe ich am meisten vom Ararat (5137m) sehen können, die oberen 2000m waren allerdings noch in Wolken. Nach der Passhöhe ging es nicht viel runter. Dafür 25km übelsten Gegensturm (ich meine Sturm, nicht Wind ;-)!) in der von gewaltigen Bergen umzingelten Hochebene, das hat mich 45min gekostet. 15min gingen für unerwartetes Fotografieren weg, die Bergformationen sahen mit dem Wolken und dem Licht gigantsch aus. Die 60min konnte ich nicht im flachen Stück des zweiten Passes wieder gut machen: Trotz Richtungswechsel weiter Gegensturm (Ich vermute, dass durch die Temperaturunterschiede zwischen Berg und Tal der Wind immer von oben kommt).
Ab 2450m die Hölle, ich klebte an der Wand, jeder größere Wagen wollte mir einen Lift geben, die haben meine Ablehnung für bescheuert erklärt... Wieder 15min weg... So war ich im Bezug auf das Tageslicht 75min zu spät oben. Ich hielt einen Wagen an, damit jemand ein Foto machen konnte. Es waren zwei Typen drin, der Fahrer ist mit auf dem Foto ;-). Die beiden wollten mir sogar bergab einen Lift geben, auch sie tippten sich auf die Stirn :-)... Bergab Lavafelder, wie selbst auf Island nicht gesehen. Ärgerlich, schwaches Licht, ich wusste, warum ich um 16 Uhr und nicht um 17:15 Uhr oben sein wollte... Durchgefroren, den Magen in den Kniekehlen erreichte ich Caldiran. Das Hotel sah von aussen ok aus. Drinnen zeigte man mir einen verwarzten Raum, kalte Dusche auf dem Flur. Ich dachte, das kann nicht sein, es gibt doch wohl noch zweites Hotel. Fehlanzeige. Zwei Typen, die ich nach einem anderen Hotel fragte, nahmen mich dafür mit nachhause. Ich zögerte erst, weil ich es mir so nicht vorstellen konnte, der Ort hätte die Grösse für ein gutes Hotel gehabt.
Dort angekommen hatte eine Frau schon Abendbrot angerichtet, es gab Nudeln, homemade Ziegenkäse und Brot. Später erfuhr ich, dass ich bei einer kurdischen Familie gelandet bin, die beiden 2 von 7 Brüdern sind, in Van wohnen und ihre Mutter über das Wochenende besuchen. Ich bekam das Sofa ausgeklappt, das ergab ein Kingsizebett - dazu ein paar Decken und schlief mit einem der beiden Brüder in einem gemütlichen Raum. Es gab jedoch nur kaltes Wasser, keine Dusche, kein Klo. Morgens entdecke ich noch ein Plumpsklo im Garten, zog dann aber das Gebüsch hinter dem Ort vor... Es war sehr herzlich, sehr nett. Kommunikation mit Händen und Füssen oder die Dinge aufgemalt. Wir haben viel gelacht, selbst die recht religiöse Mutter mit Kopftuch war gut drauf. Leider hat meine Cam aufgrund zunehmender Macken die Fotos von dort nicht scharf gemacht. Aber was ist schon ein Foto. Der Tag bleibt defintiv stark in Erinnerung, er lieferte von allem das Extrem der Reise: Höchster Berg, höchster Pass, stärkster Gegenwind, gewaltige Landschaft, intensivster Kontakt mit den Kurden...
Türkei per Rad.