Am Fusse des Kaukasusgebirges mit den eigenen im Kaspischen Meer zu stehen ist nach 2500km Radreise ein wohltuendes Gefühl. Die gut 500km von Astrahan nach Mahachkala haben sich total gelohnt. Das ist nicht mehr Russland gewesen! Nach einem Vollbad in den Kulturen nahm ich gestern am Abend noch eins im Meer. Ich bin mir nicht sicher, ob der Ölteppich dort jetzt von mir gekommen ist, denn Russland hat ja leider nicht wirklich Nebenstrecken zum Radeln und der Routenverlauf ist oft von stärker befahrenen Strassen geprägt. Eine jedoch über 122km unbefahrene Strasse führte mich durch die Kalmykia Steppe. Auf den Karten als unasphaltierte E119 (Europastrasse) eingezeichnet, outete sie sich als Naturparadies: Greifvögelkolonien am Horizont, 1000de Riesenheuschrecken, wilde Pferde, Storche, Murmeltiere... Ab und an mal Farmer, die zu Fuss oder auf Pferden ihre Rinder, Ziegen und Schafsherden durch die Gegend führten. Meist waren es asiatische Menschen, die aus der Zarenzeit übrig geblieben sind. Plötzlich sass ich im Fahrradtrikot auf einem Pferd und ritt mit einem der Gauchos durch die Steppe... Das war einfach nur GEIL!
Ab ca 80km vor Mahachkala zeigte sich die nächste Volksgruppe: Es wurde Stück für Stück arabisch. Den Tageseinkauf hätte ich mir sparen können, überall, wo ich stoppte, gab es was zu essen geschenkt. Später wollte ich an einer stillgelegten Tanke mal kurz Luft und Öl am Bike nachlegen und es stoppte einer mit seinem Wagen, ich sollte doch eben noch 1km ihm hinterherradeln, seine Frau wartet mit dem Mittagessen... unglaublich - Die Russen weiter nördlich sprechen nicht schön über ihre südlichen Landesgenossen, in Verbindung mit meinen Erlebnissen wird mir der Kaukasuskonflikt ziemich klar... Der Tag nach Mahachkala hat mir Appetit auf meine für 2010 geplante Kaukasusumrundung gemacht: Sochi - Krasnodar - Mahachkala-Baki - Tiflis. Ich freue mich drauf! Aber bis dahin dauert es noch. Nachdem der Nachtzug mich von Mahachkala nach Astrahan zurück gebracht hat, freue ich mich zunächst auf den morgigen Wiedereintritt in die germansche Erdatmosphäre und hanseatisches Schmuddelwetter...
Bis dahin,
Andreas.
Russland per Rad.